Stadtarchiv: Feuchtigkeit und Schimmel drohen unersetzbares Hattinger Kulturgut zu vernichten/ Gesundheitsgefahr für Besucher und Mitarbeiter


Vom Archivamt des Landschaftsverbandes dokumentiert: Bereits seit mehreren Jahren weist der Hattinger Stadtarchivar Thomas Weiß auf Feuchtigkeit und beginnenden Schimmelbefall im ehemaligen Gemeindeamt in Welper hin.

(LRF) Feuchtigkeit und Schimmel drohen unersetzbares Hattinger Kulturgut zu vernichten! In den  mehr als 30 Jahre vom Stadtarchiv (älteste Urkunde von 1359) als Magazin genutzten Kellerräumen des ehemaligen Gemeindeamtes in Welper haben Wassereinbrüche und ein feuchtwarmes Raumklima zu einem schnell zunehmenden Schimmelbefall auf einem Großteil der eingelagerten Akten geführt. Zudem stellte das Hygieneinstitut des Ruhrgebiets eine akute Gesundheitsgefährdung für die Archivmitarbeiter und Benutzer fest. Die Arbeit mit den kontaminierten Beständen seien nur zeitlich beschränkt und mit Schutzkleidung möglich!

Das Stadtarchiv in Welper. H1-Bild: Stadt Hattingen

Jährlich fallen bei der Stadtverwaltung Hattingen etwa 90 Regalmeter Archivgut an, die vom Stadtarchiv übernommen, erschlossen, verwahrt und zugänglich gemacht werden müssen. Bereits seit 2005 sieht sich das Stadtarchiv aufgrund Raummangels  jedoch nicht mehr in der Lage, Massenabgaben wie z. B.  200 Umzugskartons Sozialhilfeakten  und jährlich 60 Umzugskartons Belegbände der Stadtkasse zu übernehmen. Und weil das mit Schimmel verseuchte Zwischenarchiv (1,6 Regalkilometern mit teilweise historische Archiv- Beständen der Jahre 1945 bis 1969) mittlerweile aus allen Nähten platzt, kann bereits seit mehreren Jahren das Stadtarchiv Hattingen seine gesetzlichen Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang wahrnehmen. Seit Anfang diesen Jahres besteht sogar ein genereller Aufnahmestopp für Dokumente zur Hattinger Stadtgeschichte und die Hilferufe und Beschwerden der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die nicht mehr wissen, wo sie die abgelaufenen Vorgänge in ihren Büros lagern sollen, häufen sich.

Um die Probleme dauerhaft zu beheben, will die Verwaltung nun 700 Quadratmeter Büro- und Magazinfläche im 3. Untergeschoss des Gebäudes Hüttenstraße 45  (ehemaliges Verwaltungsgebäude der Hütte)  als Nebenstelle des Stadtarchivs anmieten – die Trockenlegung der Keller in Welper sei nicht möglich. Die Säuberung des kontaminierten Stadt- Gedächtnis´ durch eine Spezialfirma würde jedoch 350.000 Euro kosten. Nach Absprache mit dem Westfälischen Archivamt könnten unter besonderen Voraussetzungen die Archivmitarbeiter jedoch das verseuchte Material in einem Großprojekt selbst säubern. Für das Haushaltsjahr 2010 wurden vorsorglich rund 50.000 Euro Sachmittel angemeldet. Dazu kommen noch die Mietkosten und Aufwendungen für erforderliche Umbauten, die noch nicht bezifferbar sind.

Die Verwaltung soll nun beauftragt werden, den zuständigen Bau- und Liegenschaftsausschuss mit Einzelheiten zur nachhaltigen Behebung der Raum- und Schimmelprobleme des Stadtarchivs zu befassen. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Lösung auf dem Hüttengelände ist kein Dauerzustand. Mittel- und langfristig möchte die Stadt die Option wahren, das gesamte Stadtarchiv in einer aufgelösten Schule wieder zu vereinen.

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8 Antworten zu Stadtarchiv: Feuchtigkeit und Schimmel drohen unersetzbares Hattinger Kulturgut zu vernichten/ Gesundheitsgefahr für Besucher und Mitarbeiter

  1. stadtbeobachter sagt:

    Nein, auch das ist nicht der große Verwaltungsskandal, der das Rathaus zum wanken bringt, Herr Friedrich. Aber es bleibt natürlich die Frage offen, warum die Verwaltung als Dienstherr hier nicht auf die gesundheit ihrer Mitarbeiter geachtet hat und schneller tätig wurde. Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, daß bei solchen Angelegenheiten die Verwaltung selbstständig tätig wird, ohne erst die politischen Gremien zu einer Diskussion einzuladen, ob sie Schimmel auch als gesundheitsgefährdend einstufen oder nicht…

  2. anpeko sagt:

    Sofort den Laden in Welper schließen, das Gebäude der alten Stadt Stadt-Bibliothek an der Bredenscheider Straße mit dem Geld des Morandini-Tor renovieren und so schnell wie nur möglich umziehen, schon im Interesse der Mitarbeiter.

  3. gucksdu sagt:

    Wenn das so ist liebe Redaktion, ist es eigentlich unverständlich das Herr Weiß als Leiter des Stadtarchivs seine Mitarbeiter immer noch den gesundheitsgefährdenden Gegebenheiten ausgesetzt hat.
    Hier hätte Herr Weiß als Vorgesetzter klar und mit Deutlichkeit reagieren müssen und den Mitarbeitern das Arbeiten mit gefährdeten Archivwaren verbieten.
    Sicherlich könnten die Mitarbeiter soweit sie das hier lesen und genug Mut aufbringen, mehr darüber sagen.
    Man muss wirklich gespannt sein, wie die Stadt darauf reagiert und oder alles weiter als harmlos darstellt!

  4. Redaktion sagt:

    NACHRICHTENUPDATE
    vom 07.12.2009/18.00 Uhr

    Das Archivamt des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe hat in einem Vermerk vom 08.10.2009 (Aktenzeichen 25 Hattingen) dokumentiert, dass bereits seit mehreren Jahren der Hattinger Stadtarchivar Thomas Weiß auf Feuchtigkeit und beginnenden Schimmelbefall im ehemaligen Gemeindeamt in Welper hingewiesen hat.

  5. mathildeartmueller sagt:

    Wie ich gehört habe, ist ein Schimmelbefall in Arvchiven keine Seltenheit und nur durch ein fachgerechtes Temperatur- und Feuxchtigkeitsmanagement zu umgehen. Dies scheitn mir in der Gartenstadt- Immobilie nicht möglich, so dass ein Umzug wirklich sinnvoll ist – auch für Herrn Weißm und seine Mitarbeiter. Allerdings muss ich mich meinem Vorrredner anschließen und fragen, warum dieser Zustand so lange akzeptiert wurde und die Verwaltung nicht früher aufgefordert wurde, sich mit den Zuständen in Welper zu befassen.
    Daher: Daumen runter für Schimmel- Schummel!
    Gruß
    Mathilde A.

  6. ruhri2010 sagt:

    Wie kann es denn sein, daß ein sicher nicht ehrenamtlich tätiger Stadtarchivar so etwas nicht meldet, wenn es sichtbar wird? Warum lässt er sich und seine Mitarbeiter den Pilzsporen aussetzen? Wo ist da die Sorgfalt für die Mitarbeiter geblieben?

  7. Klaus Hesper sagt:

    Aber das ist doch schon seit langem bekannt, dass die Archivakten einem Schimmelbefall haben. Nur jetzt ist es erstmalig öffentlich geworden das die Mitarbeiter auch “Gesundheitlich” gefährdet sind.
    Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass sich noch kein/e Mitarbeiter/Mitarbeiterin einen dauerhaften Gesundheitsschaden bekommen hat/haben.
    Eine gründliche Untersuchung der betroffenen Mitarbeiter sollte eigentlich jetzt normal sein, schon allein um der Sorgepflicht des Arbeitgebers, der Stadt, genüge zu tun.

  8. Lars Friedrich sagt:

    Noch am 5. November 2009 stellte Minister Lutz Lienkämper vor dem Landtag fest: „Der Einsturz des Gebäudes des historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 hat die Bedeutung von Archiven auf tragische Weise ins Bewusstsein gerückt und das Landesarchiv sowie die kommunalen Archive vor besondere Herausforderungen gestellt.“ Ich finde es sehr befremdlich nun lesen zu müssen, das bereits seit mehreren Jahren das Stadtarchiv Hattingen seine gesetzlichen Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang wahrnehmen könne. Bereits seit 2005 ist es zu eng im Stadtarchiv, dass seit fast fünf Jahren keine größeren Aktenbestände übernommen werden konnten. Und seit Februar diesen Jahrs ist bekannt, dass Schimmelpilzen in der Raumluft (Aspergillus versicolor) sowie ein weißlicher Belag auf den Akten (Aspergillus versicolor) die Gesundheit von Mitarbeitern und Archivnutzern gefährden. Warum sich zügig und zeitnah noch keine Verbesserung ergeben hat, ist mir schleierhaft – an Hilferufen aus dem Archiv wird es nicht gemangelt haben und ich hoffe, dass fehlendes Geld das Argument war und nicht Bequemlichkeit oder Uneinsichtigkeit. Nur gut, dass man wenigstens jetzt nach einer Ausweichlösung sucht – wobei das Hütten-Haus aus meiner Sicht keine 1a- Lösung ist und schnellstmöglich durch eine Dauerlösung ersetzt werden sollte. Es wäre nämlich einen Schande für unsere Stadtkultur, wenn die Altstadt der Kulturhauptstadt plötzlich ohne historisches Gedächtnis dastehen würde. Wer Gäste nach Hattingen holt und sich auf die Geschichte als Marketingtrumpf stützt, sollte eben diese Geschichte auch sachgemäß wahren.

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