Die beliebte Natur-Serie hier auf HATTINGEN EINS: Vogel des Monats ist im Februar 2011 die Reiherente


Männliche Reiherenten, die Erpel, sind schön kontrastreich schwarz-weiß gefärbt und zeigen eine "Reiher"-Haube. Das Schwarze kann auch zu Blau oder Grün changieren. Weibliche Reiherenten haben ein Tarngefieder, das die Kontraste des Männchengefieders in Dunkelbraun und Braun reflektiert. H1-Bild: Griesohn-Pflieger

(red) Der NABU Hattingen stellt in Zusammenarbeit mit dem Hattinger Ornithologen Thomas Griesohn- Pflieger jeden Monat auf HATTINGEN EINS eine Vogelart unserer Heimat vor. Alle Vögel, die hier vorgestellt werden, lassen sich in Hattingen beobachten. Wenn Sie Anregungen zu dieser Reihe haben, schreiben Sie an natur-hattingen@birdnet.de. Viel Vergnügen beim Lesen und beim Beobachten und allzeit freie Sicht! Der Januar – Vogel ist die Reiherente, deren Ruf Sie sich -> hier anhören können.

Wer sich mit der Reiherente beschäftigt, sollte über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Tauch- und Schwimmenten Bescheid wissen. Deshalb beginnen wir damit und setzen bei einer sehr frühen Erfahrung an, die wir alle teilen dürften: bei dem Kinderlied „Alle meine Entchen“. Anschaulich wird hier nämlich beschrieben, was einen augenfälligen Unterschied zwischen den beiden Entengruppen macht. Die Zeile „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh'“ schildert sehr schön die Nahrungssuche von Schwimmenten.

Dieses Gründeln genannte Verhalten zielt darauf ab, mit langen Hals und Schnatterschnabel nach Wasserpflanzen, Schnecken und anderem Getier im Wasser zu suchen, dabei die Wasseroberfläche aber nicht zu verlassen. Ein Verhalten, dass auch Gänse (selten) und Schwäne (oft) zeigen. Tauchenten dagegen, wie die Reiherente, verschwinden völlig von der Wasseroberfläche, tauchen unter und durcheilen das Nass abgetaucht. Deshalb haben sie auch keinen langen Hals nötig und der Schnabel ist eher zum Festhalten und Zupacken geeignet und weniger auf das Durchschnattern (durchseihen) von Pflanzen und Schlamm (Detrius) spezialisiert. Kurzum, die Reiherente ist eine Tauchente, wir kommen beim Thema Nahrungssuche darauf zurück.

Reiherenten sind Tauchenten. Kopfüber stürzen sie sich ins Wasser auf der Suche nach Kleintieren und vor allem Muscheln. H1-Foto: Thomas Griesohn-Pflieger

Noch in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann die kleine schwarz-weiße, der Erpel, oder dunkelbraune, die Ente, Tauchente den Westen Europas zu besiedeln. Damals wurden bis in die siebziger Jahre noch einzelne Brutnachweise besonders vermeldet, heute ist sie die häufigste Tauchente bei uns.

1895 tauchte sie das erste Mal auf Island auf. Seit 1964 ist sie ein Brutvogel Frankreichs. In Holland hat sie sich 1904 erstmals angesiedelt und kommt seit 1941 verhältnismäßig häufig vor. In Skandinavien war sie ursprünglich auf den hohen Norden begrenzt hat sich aber im Verlauf des 20. Jahrhunderts die südlicheren Regionen erobert.

Eine so weite und zügige Besiedlung von von neuen Gebieten ist ungewöhnlich und ruft nach einer Erklärung (siehe auch Türkentaube). Ist mal wieder eine Klimaänderung der Grund für die Ausbreitung der kleinen hübschen Ente? Oder hat sich ihr Verhalten „verändert“?
Der stärkste Grund dürfte die rasante Entwicklung einiger eingeschleppter Muschelarten (Dreikantmuschel, Körbchenmuscheln und andere) sein, die zum Beispiel über die Kanalverbindung aus dem Schwarzen Meer oder sonst wie in Verbindung mit der Schifffahrt nach Mitteleuropa kamen. Damit war die Nahrungsgrundlage für die Reiherente, die sich überwiegend von Muscheln ernährt, gegeben. Dazu kommt noch die Vielzahl von günstigen Wasserflächen, die von den Menschen in jüngster Geschichte angelegt wurden. Vor allem Baggerseen und Stauseen bieten für die Tauchente einen geeigneten Lebensraum, wenn sie nicht zu tief sind. Reiherenten sind auch in vielen städtischen Parkanlagen wildlebend anzutreffen.

So auch, zumindest zeitweise in Hattingen. Am Rande der Innenstadt im Henrichs Gewerbepark sind im späten Frühjahr größere Versammlungen von Reiherenten zu beobachten. Da die Enten wenig scheu sind, lässt sich ihr auffälliges Balzverhalten gut studieren. Zum Balzrepertoire gehören Kopfschütteln und Kopfnicken, dynamische Verfolgungsjagden der Erpel untereinander und gemeinsame Rundflüge über dem Wasser. Leider verschwinden die Reiherenten fast vollständig im Laufe des Sommers aus dem Gewerbepark und Brutversuche, die 2008 und 2009 beobachtet wurden, blieben letztlich ohne Erfolg. Zwar wurde jeweils ein Küken führendes Weibchen registriert, doch nahm die Jungenzahl fast täglich ab. Als Grund vermutet man einen großen Raubfisch (Hecht) der die Küken nach und nach erbeutet.

Bei den Balzspielen lässt sich die besondere und wenig „ententypische“ Stimme der Reiherenten hören. Erpel rufen ein gedämpftes, in der Tonhöhe abfallendes Trillern, dass wie „pit piu pit pit“ klingt. Die Weibchen antworten darauf mit einem harten „kröck“. Das Nest der Reiherente wird häufig auf Schilf angelegt, gerne auf Inseln. Reiherenten brüten bei uns recht spät – manchmal erst Mitte Juni bis Mitte Juli! Die Küken können schon im Alter von wenigen Stunden gut tauchen und nach sechs Wochen gut fliegen. Oft bilden sich Gruppen „pubertärer“ Jungvögel, die sich noch nahezu flugunfähig von der Ente „emanzipieren“.

Ein sehr guter Ort zur Beobachtung von Reiherenten ist im Winterhalbjahr der Kemnader Stausee, wo sich dann Hunderte dieser schönen Ente beobachten lassen. Eine andere Tauchentenart, die sehr selten im Henrichspark aber häufiger auf dem Kemnader See beobachten lässt, ist die Tafelente.

An Beobachtungen (genaue Zahlen!) vor allem zur Brutzeit aus Hattingen ist der NABU Hattingen sehr interessiert. Meldungen bitte per Email an natur-hattingen@birdnet.de.

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Kategorien: Der Vogel des Monats, ENneu - Von Ennepe und Ruhr | Hinterlasse einen Kommentar

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