Wer Gold statt Geld spart, wehrt eine Reihe von Risiken ab/ Experten beantworten Leserfragen


Experten: Potthast, Hollender, Ott. H1-Bild: pr.nrw

(pr.nrw) Mit 1447,70 US-Dollar je Feinunze markierte der Goldpreis am 24. März einen historischen Höchststand – und Marktkenner trauen dem Goldpreis einen weiteren Anstieg zu. Was bedeutet das für „Otto Normalsparer“? Ist Gold eine Alternative zum Sparbuch? Worauf muss ich bei der Investition achten? Und wie schütze ich mich vor unseriösen Ankäufern, wenn ich mein Altgold verkaufen will?

Alle Fragen rund um das begehrte Edelmetall beantworteten die Experten unserer Lesertelefonaktion. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Der Goldpreis ist derzeit hoch. Lohnt da der Einstieg?
Dirk Hollender, Wertpapierspezialist bei der Commerzbank
: Die Rahmenbedingungen bleiben insgesamt ideal für Edelmetalle: Weiche Währungen und niedrige reale Zinsen der Industrieländer, steigende Einkommen und relativ feste Währungen in den Schwellenländern sowie global steigende langfristige Inflationserwartungen. Die aktuellen Krisen in Nordafrika, dem Mittleren Osten und Japan sorgen zudem für Unsicherheit. Insgesamt steigt so die Attraktivität von Gold als alternative Reservewährung. Für die kommenden Monate sehen wir weiteres Wachstumspotential. Ende des Jahres sollte der Goldpreis bei 1.600 US-Dollar je Feinunze liegen, für Ende 2012 erwarten wir einen Stand von 1.700 US-Dollar.

Ich will erstmals in Gold investieren. Welche Art der Anlage empfehlen Sie?
Axel Potthast, Goldkontor Hamburg:
Das hängt von der Summe ab, die Sie investieren wollen. Erstens sollten Sie nicht ausschließlich in Gold investieren, sondern es als eine Anlageform unter mehreren betrachten. Zweitens sollten Sie wissen, dass der Kaufpreis umso höher wird, je kleiner die Einheit ist. Ein Beispiel: Beim Kilobarren Gold liegt der Preis je Gramm bei derzeit 32,82 Euro, bei einem zehn Gramm schweren Barren bei 34,97 Euro. Sie sollten also genau abwägen, wie Sie stückeln, auch im Hinblick auf einen späteren Verkauf. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet hier der 100-Gramm-Barren zu derzeit 3.312,85 Euro.

Wie kann ich überhaupt in Gold investieren?
Michael Ott, Rohstoff-Experte bei der Commerzbank:
Wegen seines geringen Volumens und festen Aggregatzustandes ist die physische Investition – also in Barren, Münzen oder Schmuck – kein Problem. Flexibler, aber nicht unbedingt sicherer ist man mit an Börsen gehandelten Produkten wie Exchange Traded Funds oder allen nur denkbaren Zertifikaten aufgestellt. Für erfahrene Anleger gibt es zudem Terminmärkte und die indirekte Investition in Goldminen.

Der Dollar schwächelt – aber Gold wird in Dollar gehandelt. Was bedeutet das für mich als Sparer?
David Reymann, pro aurum:
Für Sie als Sparer bedeutet es, dass Sie besser gleich Gold kaufen und nicht warten, bis der US-Dollar noch schwächer geworden ist. Das gilt vergleichbar auch in Euro: Der Euro kann zwar etwas stärker sein als der US-Dollar, verliert gegenüber Gold aber auch.

Ab welchem Betrag lohnt der Einstieg?
Dirk Hollender:
Die kleinste handelbare Einheit einer Goldmünze liegt bei einer Zwanzigstel Unze, also 1,56 g. Die Australian Kangaroo beispielsweise kostet aktuell rund 73 Euro. Man kann also beim so genannten physischen Gold durchaus gut mit kleineren Beträgen einsteigen und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zukaufen. Beim Kauf von Wertpapieren lohnt der Einstieg aufgrund der Kostenstruktur ab 2.500 Euro aufwärts.

Werden wir wieder zu einem Goldstandard zurückkehren?
Michael Ott
: Die Rückkehr zu einem auf Gold basierenden Währungssystem ist zwar auf lange Sicht denkbar, aber derzeit keine Alternative. Die Initiative müsste von den USA ausgehen, da der US-Dollar Weltleitwährung ist. Der US-Dollar würde dann an eine bestimmte Menge Gold gebunden, was die Flexibilität jedoch erheblich einschränken würde. Die US-Notenbank könnte nur noch schwer auf konjunkturelle Schwankungen reagieren.

Welchen Einfluss haben die Notenbanken auf den Goldpreis?
Michael Ott:
Um nicht ihre gesamten „Ersparnisse“ in Devisen anlegen zu müssen, treten vor allem die Notenbanken von Schwellenländern zunehmend als Goldkäufer auf. Erstmals seit zwei Jahrzehnten haben Notenbanken 2010 mehr Gold gekauft als verkauft, dürften aber weiterhin relativ vorsichtig am Goldmarkt handeln, um den Markteinfluss zu begrenzen.

Was ist besser: Goldminen oder die Direktanlage in Gold?
Michael Ott:
Die Goldproduktion kämpft mit deutlich steigenden Kosten – eine teurere Produktion treibt den Goldpreis nach oben. Gut für die Direktanlage. Für die Goldproduzenten hingegen schmälern steigende Kosten den Gewinn, was sie für Investoren weniger attraktiv macht. Doch die Gewinne der Goldproduzenten steigen stärker als die Kosten. Zudem besitzen viele Goldproduzenten angesichts begrenzter Vorkommen und steigender Explorationskosten eine große Portion Übernahmephantasie. Gut für eine Beteiligung. Es gibt also für beides gute Argumente – am besten ist ein Mix aus Direktanlage und Goldminen.

Wie schnell komme ich an mein investiertes Geld wieder heran?
Dirk Hollender:
Sie sind sehr flexibel mit Ihrer Investition. Sowohl das physische als auch das Gold in Form von Wertpapieren können sie täglich handeln. Für Münzen und Barren gibt es entsprechende Händler oder Ihre Bank, die Ihnen täglich An- und Verkauf ermöglichen. Wertpapiere werden tagtäglich über die Börse beziehungsweise über Ihre Hausbank abgewickelt.

Ist der Gewinn aus dem Verkauf von Gold steuerpflichtig?
Axel Potthast
: Wenn Sie das Gold länger als ein Jahr besitzen, ist der Gewinn aus dem Verkauf steuerfrei.

Soll ich mein Gold zu Hause aufbewahren? Welche Alternativen gibt es?
Dirk Hollender:
Liebhaber von Münzen bewahren ihre Sammlung nicht selten zu Hause auf, um sie anschauen zu können. Bei größeren Goldbeständen oder wenn Sie Gold rein als Investment betrachten, empfiehlt sich die Verwahrung im Schließfach Ihres Kreditinstitutes. Sie reduzieren so das Diebstahlrisiko und Bankschließfächer sind zudem in der Regel versichert.

Ich will Familienschmuck verkaufen, weiß aber nicht, was er wert ist. An wen kann ich mich wenden?
Axel Potthast:
Wenden Sie sich an ein renommiertes Goldhandelshaus oder direkt an eine Scheideanstalt. Über mögliche Anbieter können Sie sich im Internet informieren. Vorsicht ist geboten, wenn schneller Reichtum versprochen wird oder die Angebote marktschreierisch klingen. Zudem sollten Sie auf ein Angebot bestehen und auf Transparenz in der Wertermittlung achten.

Worauf muss ich achten, wenn ich Altgold verkaufen will?
David Reymann:
Vor allem darauf, nichts zu überstürzen und das erstbeste Angebot anzunehmen. Wenn Sie sich ein paar Tage Zeit nehmen, können Sie wesentlich mehr Geld erlösen. Mein Tipp: Wenden Sie sich an einen Verwerter, der ein Schmelz- und Analysezertifikat in einem Prüflabor erstellen lässt und Ihnen dies übergibt. So erfahren Sie den genauen Wert Ihres Altgolds. Übrigens lohnt sich das schon bei verhältnismäßig geringen Mengen von etwa 30 Gramm aufwärts.

Wie hoch darf der Abschlag des Ankäufers auf den aktuellen Goldpreis sein?
Axel Potthast: Bei Schmuck können um 20 Prozent Abschlag als angemessen gelten, bei Münzen und Barren sollte der Preis wesentlich näher am aktuellen Goldkurs sein, den Sie jederzeit unter http://www.boerse-frankfurt.de in der Rubrik Rohstoffe nachsehen können.

Viele Ankäufer wollen das Gold per Post zugesendet bekommen. Ist das seriös?
David Reymann:
Das ist schon im Hinblick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Post nicht ganz unproblematisch. Sicherer ist die Zusammenarbeit mit Anbietern, die Ihnen Verpackungsmaterial vorbei bringen und durch einen Kurierdienst nach der Befüllung abholen lassen. Suchen Sie sich für den Edelmetallkauf oder -verkauf immer einen Anbieter, der sich bereits einen guten Namen aufgebaut hat und diesen nicht für einen „schnellen Deal“ riskieren wird.

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